Ihre Aufgabe besteht darin, das Auge des Fotografen mit einigen wesentlichen Elementen vertraut zu machen. Diese dienen zur Beurteilung und als Entscheidungshilfe für das in einer Aufnahme verwendete Licht - nicht auf einer wissenschaftlichen, sondern rein praktischen Basis. Soll der Betrachter etwas Spezielles in der Aufnahme sehen, z.B. einen Verlauf, so muss dieser absichtlich erzeugt werden. Man kann in einen Bild immer nur das sehen, was zuvor gestaltet wurde.
Im Folgenden wird die Augenschule zuerst die verschiedenen Lichtarten zeigen, dann ausführlich auf einige wesentliche Elemente eingehen wie die Beziehung zwischen Grösse einer Lichtquelle und den sich ergebenden Spitzlichtern und Schatten.
Hartes Licht
Eine im Vergleich zum Objekt sehr kleine Lichtquelle (z.B. Punktlichtquelle) strahlt hartes Licht ab. Die dabei entstehenden Schatten sind scharf begrenzt. Auf der Fläche hinter dem Objekt gibt es nur zwei verschiedene Zonen: die beleuchtete Fläche und der Kernschatten. Die Distanz der Lichtquelle zum Objekt hat einzig hier keinen Einfluss auf die Härte des Lichtes. Anders verhält es sich, wenn die "harte" Lichtquelle eine bestimmte Minimalgrösse überschreitet. Wird eine Person mit dem Normalreflektor aus ungefähr 10m Distanz beleuchtet, entstehen sehr harte Schatten. Wird ein kleines Objekt (z.B. Streichholzschachtel) mit dem gleichen Reflektor aus einer Distanz von 10 cm beleuchtet, ergeben sich viel weichere Schatten.
Als alleinige Lichtquelle wurde der Pulso Spot 4 mit dem Projektionsvorsatz 150mm verwendet.
Weiches Licht
Eine typisch weiche Lichtquelle ist ungefähr gleich gross wie das zu beleuchtende Objekt. Auf der Fläche hinter dem Objekt erscheint eine "neue" Schattenzone: zwischen den voll beleuchteten Flächen und dem Kernschatten kann man eine Abstufung von hell bis dunkel erkennen. Diese Zone wird Halbschatten genannt. Daher hat die Entfernung der Lichtquelle zum Objekt einen wichtigen Einfluss: Wird die Lichtquelle vom Objekt entfernt, entsteht härteres Licht, wird sie hingegen näher an dieses gerückt, wird das Licht weicher.
Das weiche Licht in der Abbildung wurde mit einem Weichstrahlreflektor bei 4m Distanz erzeugt.
Diffuses Licht
Diffuses Licht wird durch eine sehr grosse Lichtquelle erzeugt. Wird die Lichtquelle gross genug gewählt, sind die Lichteigenschaften mehr oder weniger unabhängig von der Entfernung. Jeder kleine Fleck auf der Fläche hinter dem Objekt erhält etwas Licht. Der Kernschatten verschwindet. Schliesslich ist nur eine leicht dunklere Fläche auf dem Hintergrund sichtbar.
Das Bildbeispiel wurde allein mit indirekter Beleuchtung aufgenommen.
Licht und Schatten bei hartem Licht
Die Idee ist einfach; jedes Objekt kann als Spiegel betrachtet werden. Natürlich reflektieren einige Objekte mehr als andere. Einige haben eine perfekt glatte Oberfläche, andere zeigen eine Struktur. Soll eine spezielle Beleuchtung sichtbar sein, so muss diese zuvor erzeugt werden. Um Strukturen zu zeigen, brauchen wir die Verbindung von Licht und Schatten. Daher arbeiten wir mit einem harten Licht. Beispiele: Textilien, Food, Sonnenlicht-Imitation
Licht und Schatten bei weichem Licht
Die Schatten sind weicher, normalerweise nicht so dunkel wie beim harten Licht. Die Eigenschaften des Lichtes sind mehr oder weniger die gleichen wie die eines Fensters ohne direkte Sonneneinstrahlung. Beispiele: People, Porträts, Mode, Stills.
Licht und Schatten bei diffusem Licht

Die Schatten und Strukturen verschwinden auf dem Objekt und dem Hintergrund. Die Oberfläche ist glatt (Beauty-Fotografie bringt Falten zum Verschwinden). In der Natur erzeugt ein bedeckter Himmel ein perfekt diffuses Licht. Beispiele: Beauty, People, Autos, Aufhelllicht in Kombination von hartem und/oder weichem Licht.
Hohe Farbsättigung

Wie vorgängig gezeigt, hat die Härte des Lichtes nicht nur Einfluss auf die Schatten und Strukturen, sondern ist ebenfalls sehr wichtig für die Farbsättigung: Das obige Bild wurde mit hartem Licht (Spot) beleuchtet und fällt auf wegen seiner hohen Farbsättigung.
Geringe Farbsättigung

Zum Vergleich wurde dieses Bild mit weichem Licht von einem Pulsoflex C beleuchtet. Die Schatten sind weicher, weniger tief und auch die Farbsättigung ist geringer.